Der dreisteste Sozialbetrug aller Zeiten

20 Jahre lang hatte Erdin Sunal * das schwer traumatisierte Folteropfer gespielt, um sich eine IV-Rente zu erschleichen.

* (Die Basler Zeitung meint doch tatsächlich den Namen dieses Straftäters noch zu ändern)

Sunal kam 1983 als 20-jähriger Wirtschaftsflüchtling in die Schweiz. Weil dies schon damals kein wirklicher Asylgrund war, spezialisierte sich der junge Kurde bald auf die Rolle seines Lebens und gab das von türkischen Militärs schwer misshandelte Folteropfer. Vor Ärzten konnte er kaum gehen, hangelte sich den Wänden entlang, gab sich mal verängstigt, mal verzweifelt, mal depressiv. Er galt als arbeitsunfähig, zeitweise sogar als nicht reisefähig. Nur einmal fiel Sunal aus seiner Rolle: als die Polizei für eine Hausdurchsuchung vor seiner Tür stand. Staatsanwältin Sylvia Gloor Hohner hatte dafür auch gleich den Gerichtspsychiater aufgeboten, der Sunal in dieser Stresssituation beobachten sollte.

Was sich dann in Pratteln abspielte, nannte die Staatsanwältin später eine «bühnenreife Komödie». In der Wohnung wurde keines der verschriebenen Medikamente gefunden. Er habe sie wegen der Kinder im Wald versteckt, sagte Sunal als Entschuldigung. Die Polizei glaubte ihm nicht, weil ganz ähnliche Medikamente seiner Frau, die ebenfalls eine IV-Rente wegen psychischer Probleme bezog, kreuz und quer in der Wohnung verstreut lagen. Also führte Sunal die Polizei danach ziellos durch den Wald, nur um schulterzuckend zu erklären, dass wohl Rehe und Hasen die Medikamente gefressen haben mussten.

Aufgeflogen war der Betrüger, weil er «den Hals nicht vollkriege»

Einem Mitarbeiter der SVA Baselland fiel auf, dass der angeblich Schwerkranke die Tochter chauffierte.

Die Observation und weitere Ermittlungen ergaben dann ein ganz anderes Bild als das eines hilflosen Mannes. Da war Sunal, wie er mit der Motorsäge im perfekt hergerichteten Schrebergarten hantierte. Da war Sunal, der eigenhändig 80’000 Franken an verschiedene Begünstigte in der Türkei verschickte. Da war Sunal, der komplizierte Rechtsgeschäfte nach einer Erbschaft regelte und das Elternhaus in der Türkei umbauen liess. Der Mann, der die Türkei abgrundtief hasste, hatte auch keine Schwierigkeiten, bei den türkischen Behörden eine Strafanzeige gegen seinen Bruder einzureichen oder seine Unterschrift beglaubigen zu lassen.

Mit dem Autofahren hatte er ebenfalls keine Mühe. Einmal wurde er auf der Autobahn mit Tempo 140 am Steuer eines Porsche Cayenne geblitzt. Ein anderes Mal baute er einen Unfall in einem Auto ohne Versicherungsschutz. Um eine Bestrafung zu vermeiden, organisierte er innert Stunden völlig selbstständig einen Versicherungsnachweis und neue Kontrollschilder. Überhaupt war Sunal ausser Sichtweite von Ärzten und Behördenvertretern nie hilflos. Er lebte ein völlig normales Leben. Der angeblich mit Strom gefolterte Türke hatte keine Probleme, sich bei einem Physiotherapeuten mit einer Elektrotherapie behandeln zu lassen.

Für 20 Jahre Sozialbetrug bekam Sunal nun 3,5 Jahre unbedingten Freiheitsentzug wegen gewerbsmässigen Betruges. Sunal darf nun der SBB-Pensionskasse 290’000 Franken, die Verfahrenskosten von 64’000 Franken und eine noch unbekannte Hunderttausender-Summe von IV übernehmen.

Quelle: h$$p://bazonline.ch/basel/land/der-applaus-des-gerichts-blieb-aus/story/27687282

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