NOlympia Hamburg

Nachdem ich bereits gestern Abend mitbekommen habe, daß das Referendum bezüglich Olympia 2024 in HH gescheitert war, habe heute auf die Kommentare in den Zeitschriften gefreut. Und siehe da. Demokratie scheint für viele Leute schwierig zu akzeptieren zu sein, wenn sie einmal auf die Seite der Verlierer sind. Dabei hatte man sich doch schon auf eine große Siegesfeier eingestellt im Rathaus und in der Barclaycard-Arena.

  • Kaum war das Ergebnis des Hamburger Olympia-Referendums bekannt, fingen die unterlegenen Olympia-Befürworter an zu schimpfen. Die „German Angst“ sei wieder einmal da, Hamburg mache sich klein, die „Neinsager und Nörgler“ vermiesen allen ein tolles Event, so konnte man es in den sozialen Netzwerken lesen, „armselig, rückgratlos, kleingeistig“ seien sie, provinziell und dumm. Einer sah sogar eine „Katastrophe für den Standort Deutschland“.

Nur mal ein paar harte Fakten dazu. Die Finanzierung war/ist völlig unklar. Es wird von 6,2 Milliarden € gesprochen in einer Stadt in der aus der 77 Millionen Elbphilharmonie eine 800 Millionen Elbphilharmonie geworden ist. Für den Punkt Sicherheit waren 461 Millionen veranschlagt, was witzig ist, weil Sicherheit in London 2012 bei etwa 1,5 Milliarden lag. Dementsprechend wollten sich diverse Politiker und Sportfunktionäre wohl eher für etwa 18 Milliarden Euro ein Denkmal setzen.

  • Hamburgs Sportbundchef Jürgen Mantell, der den Wählerinnen und Wählern die Fähigkeit abzusprechen versuchte, eine abgewogene, durchdachte Wahl getroffen zu haben: „Das war keine rationale Entscheidung, sondern eine aus dem Bauch heraus.“
  • Hamburgs Sportsenator Michael Neumann (45/SPD): „Für mich ist das schwer zu glauben, dass Hamburg Nein gesagt hat. Ich werde noch Tage und Wochen darüber den Kopf schütteln. Das Ergebnis macht sehr nachdenklich.“

Genau, wir sind schließlich alle blöd und entscheiden stets intuitiv. Eigentlich sind wir alle viel zu unfähig für Demokratie. Das es vielleicht Hamburger gibt die keinen Bock auf völlig überteuerte „Megaevents“ haben, können sich die Leute wohl nicht vorstellen, selbst wenn diese es direkt sagen.

  • Florian Kasiske von NOlympia : „Die Bevölkerung in Hamburg will eine Stadtpolitik, die nicht mehr auf Megaevents und Leuchtturmprojekte setzt, sondern sich an den grundlegenden Bedürfnissen der Menschen dieser Stadt orientiert“.

Das Menschen aus Überzeugung Nein gesagt haben, kann sich auch das ICO nicht vorstellen. Deren Theorie:

  • Das Internationale Olympische Komitee (IOC) bedauerte das Votum zwar, bezeichnete es aber – überraschenderweise – als „nicht ganz überraschend“. Es sei verständlich, dass die Einwohner Hamburgs in einer Situation, in der Deutschland mit der hohen Anzahl von Flüchtlingen eine historische Herausforderung zu bewältigen habe, auf die nicht geklärte Finanzierung „sensibel reagiert haben“.

Und so könnt ich endlos weitere Beispiele bringen. Interessant ist da eher noch das Peter Ahrens in einem Nebensatz im Spiegel, wohl unbeabsichtigt auch die Rolle der Systempresse kommentiert:

  • In Hamburg haben sich die Politik, allen voran Bürgermeister Olaf Scholz, und ein Großteil der Medien früh auf eine nahezu rückhaltlose Unterstützung der Bewerbung festgelegt. Seit Wochen haben sie das Motto „Feuer und Flamme“ durch die Stadt getragen, gerade in den Zeitungen hatte das Züge einer Kampagne. Früher hätte dies wohl Wirkung gezeigt, heute nährt so etwas eher Unbehagen.

Quelle: Spiegel

Wieder einmal hat eine Demokratie Nein zu Olympia gesagt. Wie in Oslo, Stockholm, Graubünden, Krakau, Wien und Boston, wo Referenden zuletzt scheiterten oder die Politik die Bewerbung zurückzog. Und um Klaus Wowereit zu zitieren: Und das ist auch gut so!

 

 

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