Boualem Sansal: Europa hat keinerlei Zukunft mehr

Die Welt schafft es ab und an auch mal richtig gute Gespräche zu führen. Dazu zählt auch folgendes mit Boualem Sansal. Deshalb zitier ich mal recht viel:

Welt am Sonntag: Aber eigentlich stimmen Sie denen zu. Geht unsere (europäische) Kultur unter?

Sansal: Als Demokrat sehe ich unsere Zivilisation mit großem Bedauern untergehen, denn sie hat die Menschheit vorangebracht – auch wenn uns ihre Exzesse längst schaden.

Welt am Sonntag: Wir haben eine Million vorwiegend muslimische Flüchtlinge aufgenommen. Wie ist Ihre Prognose für Deutschland?

Sansal: Deutschland war komplett naiv. Und langfristig ist Deutschland das Land, das am meisten bedroht ist.

Welt am Sonntag: Inwiefern naiv?

Sansal: Weil sich Deutschland lange Zeit eingebildet hat, von den Problemen nicht betroffen zu sein. Der Islam, der war in Frankreich, in Großbritannien, aber bei uns doch nicht! ….

Welt am Sonntag: Welche Belege würden Sie dafür geben, dass dieser Krieg der Kulturen bereits in Gang ist, auch in Deutschland, dass die Islamisierung der Gesellschaft voranschreitet?

Sansal: Der deutlichste Beweis ist das „Bataclan“. Sie haben keine Kaserne attackiert, sondern ein Konzerthaus, weil sie keine klassische Machtübernahme wollen, sondern einen Kampf der Kulturen führen. Zweitens sollte man einfach mal einen Blick auf die arabische Welt werfen, wo dieser Kampf ganz einhellig und ungestört geführt wird. Was Deutschland betrifft, bin ich nicht so sicher, was passiert. Der türkische Islam ist nicht mit dem maghrebinischen zu vergleichen. Die Türken, die in den Siebzigerjahren nach Deutschland kamen, haben sofort in der Industrie gearbeitet. In Frankreich hat man die Einwanderer sich selbst überlassen. Man hat Algerier, Togolesen einfach vermischt, und sie hausten anfangs unter unmenschlichen Bedingungen.

Welt am Sonntag: In der Türkei erleben wir mit Erdogan gerade die Islamisierung der Gesellschaft. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Sansal: Die Rückkehr des Religiösen, vor allem bei den jungen Leuten, kontaminiert die ganze Gesellschaft – und das wird bald auch in Deutschland zu spüren sein.

Welt am Sonntag: Wir haben diese Einmischung und, wenn man so will, Kontaminierung gerade mit der Böhmermann-Affäre erlebt.

Sansal: Erdogan benimmt sich wie ein Kalif, die Türken verhalten sich wie Untertanen, und einen Palast hat er sich auch schon gebaut. Das Osmanische Reich war zweifellos das gewalttätigste Kalifat der islamischen Welt. Derzeit erleben wir eine Rückkehr dieser Gewalt. Erdogan will das Kalifat wieder aufbauen, aber er weiß, dass die Araber dies niemals akzeptieren würden. Vielleicht stellt er sich vor, sein Reich nach Europa auszudehnen. Aus diesem Grund ist Deutschland am meisten bedroht.

Welt am Sonntag: Sie meinen wegen der Türken oder wegen der Flüchtlinge?

Sansal: Weder noch. Weil alle Europäer Ressentiments gegen Deutschland hegen. Deutschland ist reich, einflussreich, außerordentlich gut organisiert. Die Leute träumen von nichts anderem als dem Absturz Deutschlands. Ein Albtraum ergänzt den anderen. Und Erdogans Albträume teilen in Wahrheit viele Europäer.

So sieht’s mal aus. Glaubt ihr wirklich die Leute lieben Deutschland, weil es wirtschaftlich noch so gut läuft?

Welt am Sonntag: Wenn man das zu Ende denkt, hieße das ja: Wir würden unter Erdogans Kalifat in Deutschland leben. Das klingt vollkommen absurd. Ist Europa dermaßen am Ende?

Sansal: Ja. Es hat keinerlei Zukunft mehr.

Welt am Sonntag: Können Sie in Europa noch sagen, was Sie denken?

Sansal: Nein. Das ist vorbei. Auf der einen Seite lädt man mich ein, weil man das Bedürfnis hat, auch andere Meinungen zu hören, die nicht politisch korrekt sind. Gleichzeitig hat man Angst, dass ich Ärger mache.

Welt am Sonntag: Was dürfen Sie nicht sagen?

Sansal: Das sagt Ihnen keiner, das ist viel subtiler. Aber alles, was den Islam kritisiert, macht Probleme. Als ob man heute alles kritisieren darf, sogar Gott, aber nicht den Islam.

Welt am Sonntag: Sind Sie islamophob, Monsieur Sansal?

Sansal: Nicht in dem Sinne, wie das Wort gebraucht wird. Ich mag den Islam nicht, ich glaube nicht daran, und ich stelle fest, dass er nicht nur eine Gefahr, sondern eine enorme Gefahr ist. Er wird unsere Gesellschaft aufsprengen.

Welt am Sonntag: Fehlen uns die Überzeugung und der Mut, unsere Werte zu verteidigen?

Sansal: Die Islamisten kämpfen sehr mutig für das, woran sie glauben. Allein das muss man ihnen zugutehalten. Was uns betrifft, muss ich leider sagen: Es gibt nichts, was uns antreibt. Für das Wort Freiheit wären wir früher ans andere Ende der Welt gegangen. Heute ist es hohl.

Welt am Sonntag: Das stimmt nicht. Nach dem Attentat auf „Charlie Hebdo“ sind Millionen für die Meinungsfreiheit auf die Straße gegangen.

Sansal: Das war nichts weiter als eine spontane Gefühlsreaktion. Das hatte keinen Wert außer dem, die Staatschefs in Szene zu setzen. Allen voran dieser arme Hollande, der keiner Fliege etwas antun würde. In Algerien haben wir gesehen, was die Menschen machen, wenn sie von den Gefühlen überrollt werden: sinnloses, kollektives Geheule.

Er weiß was Europa erwartet, er lebt schließlich in Algerien. Zu Algerien weiß er im Gespräch zu berichten: „Nach der Unabhängigkeit gab es 150 Kinos und 250 Buchläden in Algerien. Heute gibt es kein einziges Kino mehr und vielleicht vier, fünf Buchläden in Algier. Dafür hat sich die Zahl der Moscheen vertausendfacht.“

Gute Nacht, Deutschland!

Quelle: h$$p://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article155752745/Der-Islam-wird-unsere-Gesellschaft-aufsprengen.html

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