Political Correctness: Die Dialektik der Mikro-Aggression

Ein Artikel im Feuilleton der Neuen Züricher Zeitung ist echt lesenswert:
http://www.nzz.ch/feuilleton/zeitgeschehen/political-correctness-die-dialektik-der-mikro-aggression-ld.115923

Der Autor (Hans Ulrich Gumbrecht ist Albert-Guérard-Professor für Literatur an der Stanford University und Gastprofessor am Collège de France) schildert das Problem und dann philosophiert er los. Das Problem kann ich hier schonmal vorgeben:

Warum nur vertraute mir die private amerikanische Universität, an der ich seit fast drei Jahrzehnten arbeite, plötzlich keine Funktionen mehr an, die mit der Betreuung von jungen Kollegen und Doktoranden zu tun haben?

Also stellte ich auf immer offizielleren Ebenen die Frage nach den Gründen für diese Veränderung, ohne zunächst auch nur die Andeutung einer Antwort zu bekommen. Dann sass ich irgendwann meiner Dekanin gegenüber und erfuhr unter dem Siegel der Verschwiegenheit, dass Klage über meinen «Hang zu frauenfeindlichen Äusserungen» («tendency to use language offensive to women») eingegangen war. Ich hatte keinerlei Erinnerungen an schuldhafte Taten und bestand auf einer spezifischeren Auskunft. So hörte ich schliesslich, dass der Stein des Anstosses ein im öffentlichen Rahmen gefallener Satz war, in dem ich meine eigene und die Tochter eines Kollegen als Beispiele für sehr gutes Aussehen («looking gorgeous») angeführt hatte.

Was für eine kranke Gesellschaft.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s