„Erich-Mühsam-Preis“ für Konstantin Wecker

Vor einer Weile habe ich diese Überschrift gelesen. Auf dem ersten Blick mag nicht viel dahinterstecken. Doch wer genauer hinguckt wird erstaunt sein.

Den wegen Raubes und Drogenbesitz verurteilten Kurt-Tucholsky-Preisträger Konstantin Wecker kennt man ja noch. Zur Zeiten des Kalten Krieges dichtete er bezüglich der Rotarmee: „Wenn unsere Brüder kommen / mit Bomben und Gewehren / dann solln wir sie umarmen / dann wolln wir uns nicht wehren“.

Interessant auch diese Geschichte:

Während einer Tournee „in irgend so einer Kleinstadt“, fielen ihm, wie er berichtete, „ein paar so Vertretertypen auf“, die ihn „sowieso reizen, auch wenn sie ruhig sind„. Bei dieser Gelegenheit hatte er „plötzlich den Gedanken: Halt dich zurück, Presse und so weiter. Der Gedanke hat mich derart geärgert, da hab‘ ihn dann erst recht zugeschlagen…“

So aber wer ist nun Erich Mühsam? Der Typ hat’s richtig gerissen. Lebte von 1878 bis 1934 und war (lt. Wikipedia) ein anarchistischer deutscher Schriftsteller, Publizist und Antimilitarist. Klingt so harmlos das diverse Straßenzüge nach ihm benannt sind. 1919 kämpfte er für die Umwandlung Bayerns in eine leninistische Räterepublik. Die Freikorps haben den Spuk bekanntlich beendet und er landete dafür für 15 Jahre in Festungshaft von der er leider schon nach 5 Jahren per Amnestie entlassen wurde.

Die Weimarer Republik paßte ihm dann auch nicht und er forderte in seinem Blatt „Fanal“ ein anarcho-kommunistisches Gesellschaftssystem. Aktiv beteiligte er sich auch für die „Rote Hilfe“ insbesondere für den Mordbrenner Max Hölz.

Anekdote Max Hölz: Wegen terroristischen Bandentum verurteilt ging er 1928 nach seiner Amnestierung in die Sowjetunion. Er erhielt 1933 die sowjetische Staatsbürgerschaft, fiel jedoch bald in Ungnade und wurde im September 1933 auf Befehl aus dem Kreml in der Oka ertränkt.

1933 erinnerte sich die neue Führung an sein jahrelanges Wirken und er wurde wieder verhaftet. 1934 im KZ Oranienburg wurde er dann gehängt.

Während der Rheinlandbesetzung durch die Franzosen befand er sich noch in Haft in Niederschönenfeld. Dort begrüßte er die bunte und vielfältige französische Armee wie folgt:

„Strömt herbei, Besatzungsheere, schwarz und rot und braun und gelb,
daß das Deutschstum sich vemrehre, von der Etsch bis an den Belt!

Schwarzweißrote Jungfernhemden wehen stolz von jedem Dach,
grüßen euch, ihr dunklen Fremden: sei willkommen, schwarze Schmach!

Jungfern lasset euch begatten, Beine breit, ihr Ehefrau’n,
und gebäret uns Mulatten, möglichst schokoladenbraun!

Schwarze, Rote, Braune, Gelbe, Negervolker aus aller Welt,
ziehet über Rhein und Elbe, kommt nach Niederschönenfeld!

Strömt herbei in dunkler Masse, und schießt los mit lautem Krach:
säubert die Germanenrasse, sei willkommen, schwarze Schmach!“

Und nachdem ist ein Preis in Deutschland benannt. Und Konstantin Wecker hat ihn erhalten! Muß ich da noch mehr schreiben?

 

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