Die Fehler der SPD

Es kommt mittlerweile sehr selten vor das man einen schönen Artikel auf focus.de findet, der nicht zu 100% aus einer dpa-Meldung besteht.

Alexander Wendt hat so einen geschrieben und er beschäftigt sich mit der SPD. Er war von 1990 – 1991 Mitglied der Ost-SPD und schreibt dort über den Unterschied zur West-SPD. Einige Auszüge:

Als wir die ersten westdeutschen Sozialdemokraten trafen und die Äußerungen prominenter Sozialdemokraten – alles Westdeutsche – in den Zeitungen lasen, ahnten wir, dass ein fundamentales Missverständnis zwischen uns und ihnen herrschte. Was machen neu hinzugestoßene Parteimitglieder? Sie lesen das Parteiprogramm. Ganz vorn stand, der Ost-West-Konflikt in Europa solle friedlich überwunden werden. Ist gerade passiert, sagten wir. Dort stand außerdem, wir müssten unsere „Schuld“ gegenüber den „Ländern des Südens“ abtragen. „Was für eine Schuld?“, fragten wir.
Dann gab es noch einen Satz, den wir für einen eingeschmuggelten Witz hielten: „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden.“ Wir Männer fühlten uns als Mann okay, die Frauen im Osten waren emanzipiert, verdienten ihr eigenes Geld, und gegen männliche Gesellschaft hatten sie nichts einzuwenden.
„Könnt Ihr nicht ein vernünftiges Programm schreiben?“, fragten wir die Genossen aus dem Westen. Die stöhnten auf. Wir Ostler könnten uns nicht vorstellen, wie lange die Partei über dieses Programm gestritten hätte. Nein, das würde jetzt für viele Jahre so bleiben.

Sehr lustig. Natürlich stellten sie schnell fest das im Westen keiner Arbeiter in der SPD waren sondern, Lehrer, Sozial- und Politikwissenschaftler. Das Hauptproblem dieser Partei.

Allmählich kapierten wir, dass wir die Nachzüglertruppe einer traditionellen SPD bildeten, die im Westen praktisch schon verschwunden war oder sich in nordrheinwestfälische Seitentäler zurückgezogen hatte. Der Kulturkampf ist längst entschieden: In ganz Ostdeutschland gibt es heute weniger SPD-Mitglieder als in Niedersachsen.

Und das größte Problem ist die Durchsetzung der Funktionärsschicht der SPD mit solchen Leuten:

Aus deren Sicht stellt der Arbeiter nämlich einen Rundumproblemfall dar. Er ist schon einmal kein Akademiker, also zählt er in der SPD-Soziologie zu den Ungebildeten. Er lebt meist nicht in weltläufigen Metropolen und schon gar nicht in Berlin, sondern Käffern wie Wolfsburg, Ludwigshafen und Rüsselsheim. Er begeistert sich nicht für das Gender-Sternchen und 60 Geschlechter, isst viel Fleisch, findet die Deutschlandfahne zur Fußball-WM nicht nationalistisch, trägt Socken zu Sandalen und spricht bestenfalls schlechtes Englisch.

Als die Migrantenwellen des Herbstes 2015 ankamen, stand er in der Regel nicht klatschend am Bahnsteig, schon aus Mangel an Tagesfreizeit. Das riecht – nein, es stinkt vielen höheren Sozialdemokraten verdächtig. Sie erzählen dann gern, diese problematische Klientel sei eben abgehängt und käme mit der Moderne nicht zurecht.

Liebe führende Sozialdemokraten, lasst euch von einem Kurzhospitanten sagen: Die tatsächlich Abgehängten seid ihr. Wenn ihr euch von diesen Provinzlern abwendet, die politisch unkorrekt reden und Recht und Gesetz mehr schätzen als Multibuntheit, werdet ihr auf lange Sicht keinen Kanzler mehr stellen.

Weiter geht’s hier: h$$p://www.focus.de/politik/deutschland/die-debatte-die-spd-muss-wieder-zurueck-ins-richtige-leben_id_6487975.html

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