Nafta wird neu verhandelt

Telepolis berichtet über die Nachverhandlungen beim Nordamerikanischen Freihandelsabkommen. Aber fangen wir einfach mal mit dem besten Leserkommentar an, den ich seit langem gelesen habe:

Ich kann den verharmlosenden Ton des Artikels nicht nachvollziehen. Jeder Ökonom, der nicht ideologisch verbrettert ist wird zugeben, dass sich Freihandel immer nur für die stärkere Seite lohnt, und auch dort nur für bestimmte Leute. Der Begriff ‚Freihandel‘ ist ein Euphemismus sondergleichen, denn wer ist eigentlich das Subjekt dieser Freiheit? Gemeint ist ja der – angeblich – unbehinderte Warenaustausch, also sind die Waren frei? (‚Handel‘ ist im Grunde schon selbst ein Euphemismus, eine nette Form zu sagen, ich hau dich übers Ohr, aber gut, das geht hier jetzt zu weit.) In der rauhen Wirklichkeit bedeutet das, dass derjenige, der natürliche oder kapitalbezogene Vorteile hat, ungeschützte Märkte ohne Weiteres übernehmen kann, ob das nun für die Volkswirtschaft des betreffenden Landes Sinn macht oder nicht. In Mexiko gingen nicht nur unzählige rurale Arbeitsplätze verloren, der ganze Zweig wurde vernichtet, Millionen Menschen in neue Abhängigkeiten gestürzt, proletarisiert. Sobald der Markt erobert ist, kann – etwas hyperbolisch gesagt – jeder Preis verlangt werden. Man hat ja die Strukturen der Alternative zerstört. Kurz zusammengefasst: Freihandel ist Imperialismus at its best.

Perfekt auf dem Punkt gebracht. Aber trotz der berechtigten Kritik hat auch der Artikel seine Momente, hier ein Auszug:

Doch die Politik der kanadischen oder mexikanischen Regierung ist natürlich in den jeweiligen Ländern auch umstritten. In Mexiko zum Beispiel haben kürzlich tausende Bauern und Gewerkschafter dagegen demonstriert, dass das Land durch Nafta mit US-Agrarprodukten überflutet wurde, was die heimischen Bauern ruiniert hat.

Kritiker werfen Nafta vor, bis zu einer Million Bauern erwerbslos gemacht zu haben. Die Massenauswanderung in die USA, die Trump mit einer Mauer bekämpfen will, und die hohe Kriminalität in Mexiko seien eine direkte Folge von Nafta. Kleinbauernvertreter fordern deshalb, Nahrungsmittel generell aus Nafta auszuschließen. Doch laut Umfragen unterstützt heute eine Mehrheit der mexikanischen Bevölkerung Nafta wegen der Arbeitsplätze in der Exportindustrie, deren Produkte zu 85 Prozent in die USA und nach Kanada gehen.

Eine Entwicklung wie in Mexiko hatten linke Globalisierungskritiker seinerzeit befürchtet. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass in Mexiko, in den USA und in Kanada die Verarmung zunehmen wird, und wahrscheinlich wird das Abkommen alle 3 Länder in ein Gleichgewicht von Niedriglohn und Niedrigwachstum versetzen, unter dem die Bevölkerungen leiden werden, die Profite dagegen werden in die Höhe schießen“, prophezeite damals der prominente US-Regierungskritiker Noam Chomsky.

Und mit genau solchem Scheiß, werden südamerikanische Länder & Europa bedroht. Von den Milliarden Euros Handelsvolumen landet letztlich fast gar nichts in den Taschen der Bevölkerung.

Deutschland mag ja noch etwas weniger Schaden nehmen als seine europäischen Partner, Aber was meint ihr denn wo die Leute hingehen, wenn in deren Ländern die Jobs wegbrechen? Die Mexikaner sind rüber in die USA. Wo geht denn wohl der Südeuropäer hin?

Und wieviel Neid und Unzufriedenheit wird entstehen, wenn es Deutschland weiterhin „gut“ geht, während die anderen Länder abkacken. Ein Italiener oder Spanier sieht ja nicht, das man uns in der BRD bereits mit Lohndumping  soweit gedrückt hat, das wir heute viel weniger verdienen als noch unsere Eltern. Das ist ja schon kaum den meisten BRD-Dummys nicht klar.

Weiter geht’s hier: https://www.heise.de/tp/features/Das-Freihandelsabkommen-Nafta-wird-neu-verhandelt-3811675.html

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